Fledermaus NRW Adventskalender 🦇🌲 15. Dezember 2025

Der Seemann – Zur See, aber am Flughafen

Wir wissen heute nicht mehr, wie wir ihn ursprünglich genannt haben. Vermutlich irgendwas Seriöses und eigentlich war der „Seemann“ auch gar kein Seemann, sondern eine Seefrau.
Doch Namen sind bei Fledermäusen flexibel – und dieser passte einfach zu gut.

Die Rauhaut-Dame hatte sich vor ein paar Jahren am Flughafen Düsseldorf verflogen und flog an der Sicherheitskontrolle offenbar in Panik mit voller Wucht gegen eine Glasscheibe. Ergebnis: ein ordentliches Anflugtrauma und ein Gangbild, als hätte sie drei Tage Landgang hinter sich.

Sie wankte.
Sie schwankte.
Sie torkelte.

Kurzum: wie ein betrunkener Seemann.
Tadaa! – Name geboren. ⚓️

Wie alle Rauhautfledermäuse war auch unsere kleine Seefrau ansonsten tiefenentspannt. So gechillt, dass man sich ernsthaft fragt, warum Menschen eigentlich Yoga brauchen. Fledermäuse sind Yoga.

Eines Tages jedoch spitzten wir die Ohren.
Der Seemann machte Geräusche.
Und zwar für uns Menschen hörbare Geräusche.
Das allein ist schon ungewöhnlich – aber was dann kam, war ganz großes Kino:

„rrrrrrrrt-éh-rrrrrrrrt-éh-rrrrrrrrt-éh“

Rhythmisch. Beharrlich. Unüberhörbar.
Kein Wecker. Kein Maschinenfehler. Kein schlecht gelaunter Kollege.

Es war der Seemann.

Nach und nach fanden wir heraus: Diese Lautfolge diente der Kommunikation mit anderen Rauhautfledermäusen, die zu der Zeit ebenfalls bei uns einquartiert waren.
Der Haken: Keine einzige andere Fledermaus nutzte diesen Ruf.
Das war sein Ding. Sein Dialekt. Sein persönlicher Funkkanal. 📡🦇

Irgendwann war der Seemann wieder fit, segelte zurück in die Freiheit – und blieb eine Geschichte.

Bis Jahre später plötzlich wieder eine Rauhautfledermaus bei uns saß…
…und genau diesen Ruf von sich gab.

Wir sahen uns an.
Gänsehaut.
Und sofort wussten wir: Manche Begegnungen hinterlassen Spuren – auch noch Jahre später.

Bei Fledermäusen gibt es noch unendlich viel zu entdecken.
Und genau deshalb hören wir nie auf, hinzuhören. 🖤🦇